Der von Eifersucht zerfressene Franz schürt eine Intrige (=Kabale) gegen seinen Bruder Karl, indem er sienem Vater, dem 'alten Moor', einen angeblich vom Korrespondendeten erhaltenen Brief verliest, den er in Wirklichtkeit jedoch selbst verfasst hat: Karl habe durch ungezügeltes Verhalten in der Öffentlichkeit Schande in Stadt und Lande über den Namen 'Moor' gebracht. Franz kann nach längerem Einreden seinen in die Jahre gekommenen Vater dazu überreden dem Erstgeborenen, Karl, die Vaterschaft zu versagen sofern dieser nicht sein Verhalten ändere und somit den Namen der Familie wieder in's rechte Licht rücke; Franz möge Karl dies in einem Briefe übermitteln.
Franz' Kabale siegt somit über die Liebe des Vaters zum eigenen Sohn -
Das rundgeschliffene sprachliche Gesamtbild Schillers kann man eigentlich nur bewundern, auch wenn sich mir beim Lesen so einiges wund schleift; die Bildhaltigkeit trägt bei mir bisher nicht zu einer besseren Bildhaftigkeit bei, abermaliges anlesen einer Passage sind noch Alltag ...
Umgehend stellte sich mir beim Lesen die Frage, was in der jüngeren und älteren Vergangenheit zwischen den beiden Brüdern und ihrem Vater alles vorgefallen sein muss, dass Franz das altersbedingt verschlechterte Urteilsvermögen seines eigenen Vaters so schamlos ausnutzt, um sich die "Erstgebohrenheit" zu erschleichen, bzw. was genau er sich davon für Vorteile verspricht (spielt Erbschaft, angesichts des fortgeschrittenen Alters des Moors eine Rolle, oder muss doch die Erde der Vergangenheit aufgewühlt werden um die Wurzeln dieses Übels zu finden?).
Die Frage wer nun Räuber wird oder ist, steht wohl noch genau so offen wie die weitere Entwicklung der Beziehung zwischen den drei Personen, ich freu mich schon auf's weiterlesen (zur Abwechslung scheint diese Schullektüre mit spannungserzeugenden Momenten versehen zu sein, zumindest gebe ich die Hoffnung nicht auf ;)
Interpretatorisch bekommt man spätestens gen Ende des ersten Auftritts in der "w a r u m hat er mich gemacht?"-Passage (S.20, Z.30). Viel mehr, als dass es um die tatsächliche Zeugung eines Lebewesens bzw. die Beweggründe dahinter geht, kann man das ganze noch besser auf die Ebene der Freiheitsaspekts im Handeln und Denken abstrahieren.
=> Vrgl. Wallensteins "Ich müßte die Tat vollbringen, weil ich sie gedacht"
Was ist Intention unseres Handelns, sehen wir die Folgen unseres Handelns ab, oder - noch viel wichtiger:
Entscheiden wir überhaupt selbst über unser Handeln?
Mittwoch, 14. November 2007
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2 Kommentare:
"auch wenn sich mir beim Lesen so einiges wund schleift".... ist das von dir??? wahnsinnig gut!
glücklicherweise stammt alles geschriebene aus meiner - wenn auch digitalen - feder. vom text beflügelt probiert man sich halt in wortspielerein ... ;D
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